In der Ostsee ist der Wurm drin

Schiffsbohrwürmer gibt es seit ewigen Zeiten, auch in deutschen Gewässern. Fossile Funde sind viele Millionen Jahre alt. Erst seit etwa 300 Jahren ist bekannt, dass es sich dabei um Muscheln handelt, und dass es verschiedene Arten gibt. Teredo navalis wird dann das erste Mal im Jahre 1800 für Cuxhaven notiert, und 1853 für die Kieler Förde. Völlig unklar bleibt, ob er schon immer da war, oder irgenswann aus Asien oder der Karibik eingeschleppt wurde.

Der Rostocker Anzeiger berichtet 1912 von Schäden, und in den 30er und 60er Jahren gab es ebenfalls erhebliche Vorkommen. Danach jedoch wurde es still um den Schiffsbohrwurm, obwohl noch 1989 geringe Vorkommen aller drei deutschen Arten in der Ostsee nachgewiesen wurden. Ein Hafenmeister in Kiel erklärte Mitte der 90er Jahre, dass ihm sein Vorgänger noch von Schäden erzählt hatte, das Tier aber inzwischen "ausgestorben" sei. Bei den Wasser- und Schiffbauämter waren Schiffsbohrwürmer durchaus bekannt, aber anscheinend hat niemand mit einem Massenvorkommen gerechnet.

Ostseeküste bei Bad Kühlungsborn, Foto K.Hoppe

 

1993 änderte sich alles. Da brachen in Mecklenburg massenhaft Kieferstämme aus den in großen Mengen vorhandenen Buhnen heraus. Vorschnell wurde das mit einem nach einer langen Stagnationsphase aufgetretenem Salzwassereinbruch, der Teredolarven aus der Nordsee in die westliche Ostsee  transportiert habe, erklärt. Jedoch hatten die Teredos in den Buhnen schon seit ca. zwei Jahren nagen müssen, um diese Schäden anzurichten. Auch ist weiterhin unklar, warum die ersten Schäden so weit im Osten auftraten (bzw. publik wurden?), und nicht in Schleswig Holstein, wo der Salzgehalt sowieso besser für Teredo geeignet ist.

 
Jedenfalls stießen wir bei unseren Untersuchungen seit dem Sommer 1996 auf dichte Populationen von Teredo navalis an mehreren Standorten entlang der gesamten schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Heute sind erhebliche Schäden in vielen Häfen und anderen Anlagen bekannt, von den Millionenschäden an den Buhnenanlagen ganz abgesehen. Der Befall zieht sich im Flachwasser flächendeckend von der dänischen Grenze bis zur Ostseite von Rügen hin, wo die Salzgehaltsgrenze für die Verbreitung der Larven erreicht ist.
 
Foto K. Hoppe

Seit 1997 führen wir standartisierte Expositionsversuche mit Kiefernholzplatten in Kiel durch. Dieser weltweit vermutlich einmalige Dauerversuch zeigt, dass Massenbefall vor allem in warmen Sommern auftritt, aber auch von anderen Faktoren beeinflusst wird. Beispielsweise haben im warmen Jahr 2004 vermutlich die ebenfalls massenhaft auftretenden Garnelen alle Teredolarven aufgefressen, bevor die sich in das Holz bohren konnten. Jedenfalls kann man sagen, dass die Erfolgsgeschichte für Teredo in der Ostsee noch nicht zu Ende geht. Ganz im Gegenteil …